Essay: Kunst als massenmediales Phänomen

Vor ein paar Monaten hatten wir es noch mit einem ganz anderen „Virus“ zu tun. Eine virale Banane erheiterte das Netzt. Ich habe dazu meine zweite Bachelor-Seminararbeit verfasst. Wem jetzt zu Hause langweilig ist, der darf sie gerne lesen. 🙂

EINLEITUNG:

Seit Beginn des digitalen Zeitalters und mit dem Aufstieg sozialer Netzwerke und Plattformen wie YouTube, Facebook oder Instagram, um nur einige wenige zu nennen, verbreiten sich Informationen und Daten immer schneller. Zum Teil erreichen diese Nachrichten Menschen verstreut über den ganzen Globus. Die Information geht „viral“. Die Definition, die wir im Duden dazu finden, lautet „besonders durch Kontakte in den Social Media schnell weite Verbreitung im Internet findend“.[1] Sie verbreitet sich also wie ein Virus, in dem sie immer wieder erneut geteilt wird. Der Term „Virus“ kann sowohl in einem biologischen als auch in einem technologischen Kontext verstanden werden. Einmal in ein Netzwerk, egal ob biologisch oder elektronisch, eingefügt, breitet sich der Virus so lange aus, bis er Symptome erzeugt, die, wenn sie erst einmal entdeckt sind, nur noch schwer bekämpft werden können.[2]

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Virus in digitaler Form. Die virale Information kann alles Mögliche enthalten, eine politische Botschaft, ein großes Unglück, ein besonderes Ereignis, aber auch ganz banale Dinge wie zum Bespiel lustige Katzenvideos oder die Farbe eines Kleides.[3] In jedem Fall scheinen es Nachrichten zu sein, welche zumindest die meisten Personen, als relevant genug empfinden, um sie mit ihrem Personenkreis zu teilen.[4] Eine wirkliche Formel, warum etwas viral geht oder nicht, gibt es aber nicht. Zumeist lösen diese Botschaften jedoch einen Diskurs aus, an dem sich scheinbar alle beteiligen können.

Detailliert mit dem Thema „Viralität“ und „viraler Kunst“, setzte sich Lasse Huldt Pederson in seiner Masterarbeit „The viral art effect“, aus dem Jahr 2017, ausauseinander.[5] Er diskutiert darin, wie uns virale Inhalte beeinflussen und wie sie sich auf unsere Gesellschaft auswirken.

Es stellt sich nun die Frage, wie sich die Kunst, respektive die Künstler[6], diesen Effekt der Viralität zu Nutze machen können. Zum einen ist es mit der Digitalisierung einfacher geworden seiner eigenen Kunst eine Öffentlichkeit zu verschaffen. War Anfang des 20. Jahrhunderts noch irgendeine Form von Ausstellungsraum notwendig, um seine Werke zu präsentieren und für andere sichtbar zu machen, so werden die Arbeiten heute ganz einfach auf Instagram und dergleichen hochgeladen, um sie von dort aus direkt in die Tasche (das Smartphone) des Nutzers zu schicken.[7] Gleichzeitig macht es dieser Umstand aber auch schwierig, aus der Masse herauszustechen. Schließlich kann in sozialen Medien jeder seine Kunst teilen, ganz egal ob diese gut oder schlecht ist. Der Künstler muss sich also etwas überlegen, um wahrgenommen zu werden.

Einen möglichen Ansatz liefert uns eine Arbeit des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan, welche er 2019 auf der Art Basel[8] in Miami, am Stand der französischen Galerie Perrotin, präsentierte, und über welche tagelang exzessiv in den Medien und sozialen Netzwerken berichtet und diskutiert wurde. Das Werk, bestehend aus einer echten Banane und einem Streifen Duct Tape[9], mit welchem diese an der Wand fixiert wurde, trägt den Titel Comedian (Abb.1) und wurde auf der Messe für 120.000$ verkauft. In einer anschließenden Performance des Künstlers David Datuna, entwendete dieser die Banane aus der Ausstellung und verspeiste sie vor einem erstaunten Publikum. Diese Performance, welche Datuna als Hungry Artist (Abb. 2 – 5) betitelte, sorgte für den nächsten Schwall an Berichterstattung.

Ich werde im Folgenden die beiden Arbeiten, Comedian, sowie Hungry Artist genauer beschreiben und analysieren. Ein großer Teil der Arbeit wird sich mit der Berichterstattung in den Medien zu den beiden Werken auseinandersetzen. Es stellt sich die Frage, warum ausgerechnet Cattelans Werk, ein solch gewaltiges Medienecho nach sich zog. Welchem Umstand könnte es verdanken, dass es „viral“ gegangen ist?

Über das Werk Comedian wurde jedoch nicht nur in den Medien berichtet, sondern es wurde auch von vielen Firmen zum Zwecke der Werbung und als Marketinggag aufgegriffen und für eigene Zwecke „missbraucht“. Diverse Produkte der verschiedensten Firmen wurden plötzlich ebenfalls mit Duct Tape an der Wand fixiert und im Internet angepriesen.[10] In einem eigenen Kapitel sollen hier einige Bespiele betrachtet werden. Außerdem inspirierte die Arbeit zahlreiche Internet-Nutzer zu Neu-Interpretationen und Parodien. Die Galerie Perrotin schuf dafür sogar einen eigenen Instagram-Account. Diese Interpretationen sollen ebenfalls betrachtet werden.

>> Hier könnt ihr den vollständigen Text herunterladen <<


Fußnoten:

[1]https://www.duden.de/rechtschreibung/viral (03.02.2020)

[2] Miles 2001, S.71.

[3]Im Jahr 2015 ging das Foto eines Kleides viral, da es einen Streit zwischen den Nutzern entfachte, die sich uneins über dessen Farbe (schwarz-blau oder weiß-gold) waren.

[4]Huldt Pedersen 2017, S.1.

[5]Lasse Huldt Pedersen, The viral art effect. How virality and viral art as a part of our social networks can affect our society and how we perceive interfaces, Bergen 2017.

[6]In dieser Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mit gemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

[7] Der klassische Ausstellungsraum stirbt deswegen aber keines Falls aus.

[8]Die Art Basel wurde in den 1970er Jahren gegründet und ist seitdem die führende, globalagierende Kunstmesse der Welt, mit den Standorten Basel, Hongkong und Miami. (artbasel.com/about) (11.02.2020)

[9] Ein silbernes Haftklebeband.

[10]Ein ähnliches Phänomen war bereits im Jahr 2018 zu erkennen, als diverse Firmen das geschredderte Bild Girl with Ballon des Künstlers Banksy, in ihrer Werbung rezipierten.

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