Die Sammlung Essl | Albertina Modern

Der Konkurs der großen Baumarktkette Baumax im Jahr 2015 war wohl eine der größten Firmenpleiten Österreichs im letzten Jahrzehnt. Dies blieb auch für die österreichische Kunstlandschaft nicht ohne Folgen, denn der Eigentümer, die Familie Essl ist zugleich Besitzer der wohl bedeutesten und größten Sammlung moderner, zeitgenössischer Kunst in Österreich. Im Zuge des Konkurses musste 2016 auch das 1999, eigens für die Sammlung Essl in Klosterneuburg errichtete Museum, schließen. Seitdem war der Öffentlichkeit der Blick auf die rund 5000 – 7000 Werke umfassende Sammlung verwehrt.

Was sollte also mit dieser wichtigen Sammlung, die auf rund 100 Millionen Euro geschätzt wurde geschehen? Bereits 2014 bot Karlheinz Essl der Republik Österreich die Sammlung zum Kauf an, um die marode Baumarktkette noch retten zu können. Allerdings ist das Ankaufsbudget unseres kleinen Landes bei weitem nicht hoch genug, sodass dieses Angebot von der Republik abgelehnt werden musste. Die Sammlung wurde 2014 in Folge dessen, zu 60% von Hans Peter Haselsteiner übernommen. Um das Museum weiterzufinanzieren, wurden 40 der Werke bei einer Auktion versteigert. Doch das alles nutzte nichts, dass Essl-Museum musste seine Tore schließen. Aktuell ragt von dessen Dach nur noch eine einzelne Franz West Skulptur empor.

Im Jahr 2018 entschloss sich die Familie Essl schließlich ihren Teil der Sammlung der Albertina zu schenken, damit diese am neuen Standort der Albertina MODERN ihr neues zu Hause finden kann. Die Albertina MODERN befindet sich in den Räumlichkeiten des Künstlerhauses am Karlsplatz, welches durch die Finanzierung von Hans Peter Haselsteiner renoviert wurde. Haselsteiner wiederrum stellt seinen Anteil der Sammlung Essl als Dauerleihgabe, für mindestens 27 Jahre der Albertina zur Verfügung.

Heimo Zobernig, Ohne Titel, 2007 – 2011

Die Sammlung Essl erweitert somit das Repertoire der Albertina um wichtige nationale und internationale Positionen und soll in Zukunft umfassende Ausstellungen am neuen Standort ermöglichen. Die aktuelle Ausstellung The Essl Collection, welche bis 25.04.2021 verlängert wurde, bietet einen umfassenden Einblick in die Sammlungstätigkeit von Agnes und Karlheinz Essl und zeigt 120 zentrale Werke der Sammlung. Unteranderem Arbeiten von Heimo Zobernig, Daniel Richter, Nam June Paik, Elke Silvia Krystufek, Neo Rauch, Sarah Morris und vielen mehr.

In einem vor kurzem abgehaltenem Talk mit Dr. Klaus Albrecht Schröder erleuterte Karlheinz Essl seine Bewegunggründe und Vorgangsweise beim Aufbau der Sammlung. Die Sammlungstätigkeit des Ehepaars begann bereits in den 1970er Jahren, nachdem Karlheinz Essl seine Frau Agnes in Amerika kennenlernte, welche zum damaligen Zeitpunkt dort in einer Galerie arbeitete. Von dieser Zeit in Amerika zeigte sich Essl sehr inspiriert und Begann nach seiner Rückkehr nach Österreich mit der Sammlung von vorwiegend österreichischen Positionen. Die Sammlungstätigkeit ist zudem eng mit der Unternehmensgeschichte der Firma Baumax verknüpft, denn mit dem Fall der Mauer 1989 und der Expanison der Baumarktkette in den Osten, folgte auch eine Internationalisierung der Sammlung. Der Schwerpunkt lag dabei jedoch nicht auf osteuropäischer Kunst, vielmehr ist die Sammlungstätigkeit unteranderem auch US-Amerikanisch geprägt. Dabei sammelten sie aber nicht jene Künstler*innen die zu dieser Zeit schon extrem hochpreisig waren, z.B. Warhol oder Rauschenberg, vielmehr konzentrierten sich Agnes und Karlheinz Essl auf Künstler*innen die noch nicht so bekannt waren, von deren Potential sie jedoch von Grund auf überzeugt waren. Dies führte auch dazu, dass die beiden nicht Werke von vielen verschiedenen Künstler*innen sammelten, sondern vielmehr in die Tiefe einzelner, ausgewählter Positionen gingen. So war es möglich Künstler*innen über Jahrzehnte hinweg zu begleiten und deren gesamtes künstlerisches Schaffen, sowie deren Entwicklung abzubilden.

Das gesamte Gespräch zwischen den beiden könnt ihr auf YouTube nachhören:

Karlheinz Essl im Gespräch mit Dr. Klaus Albrecht Schröder

Zu guter Letzt stellt sich natürlich die Frage was nun aus dem leerstehenden Essl-Museum wird. Aktuell dient es immer noch als Depot für die Sammlung, denn die Albertina hätte dafür wohl nicht genügend Platz. Was in Zukunft damit geschehen soll, steht jedoch noch in den Sternen. Injedem Fall besteht bei Karlheinz Essl der Wunsch das Gebäude irgendwann wieder mit Kunst bespielen zu können.

Heimo Zobernig / Jonathan Meese

Sarah Morris
Anette Messager, Gonflés – dégonflés, Inflated – Deflated, 2005/06

Wandtext Albertina Modern:
Anette Messager gilt als Vertreterin der „Individuellen Mythologie“, in der es um eine persönliche Sicht auf die Welt, eine Befragung der Ralität geht. Bei Gonflés – dégonflés bestehen alle 28 Elemente aus bemalter Fallschirmseide, es sind überdimensionale Organe und Extremitäten, die zunächst flach auf dem Boden verteilt oder in Bodennähe an der Wand fixiert sind. Teils gleichzeitig, teils nacheinander füllen sie sich mit Luft, entfalten sich, bekommen Volumen. Es klappen sich fingerartige Fortsätze aus, ein Penis schnellt in die Höhe, eine Lunge füllt sich mit Luft. Danach entweicht die Luft wieder, die Organe fallen nach und nach in sich zusammen und breiten sich wie eine Landschaft aus.

The Essl Collection noch bis 25.04.2021 in der Albertina MODERN zu sehen!