Über die Absurdität des Kunstmarktes

Dieser Tage ist wohl keiner an den Schlagzeilen über den „Bananenkünstler“ auf der Art Basel Miami vorbeigekommen. Wer es dennoch verpasst hat: Der italienische Künstler Maurizio Cattelan klebte mit Ducktape eine gewöhnliche Banane an die Wand, diese wurde prompt für 120.000$ verkauft.

Das darauffolgende mediale Echo ist mit dem über das geschredderte Banksybild zu vergleichen – und auch irgendwie verständlich, schließlich kann jeder der möchte eine Banane mit Ducttape an die Wand kleben, nur werden die wenigsten dafür so eine Unsumme an Geld kassieren. Wer sich jetzt fragt „Aber die Banane verrottet doch in ein paar Tagen, dann ist das Kunstwerk kaputt und das Geld herausgeschmissen?“ – Stimmt nicht ganz, klar ist das Werk vergänglich, aber was der Käufer eigentlich erwirbt ist nicht das Werk selbst, sondern die Idee. Mit dem Kauf hat er nun die Erlaubnis, das Werk, streng nach Vorgabe des Künstlers, zu replizieren. Er darf also immer wieder eine neue Banane an die Wand kleben. Deswegen wird der Performance-Künstler David Datuna wohl auch relativ ungeschoren davonkommen, nach dem er am Samstag die Banane einfach von der Wand pflückte und verspeiste. Die Banane kann er zwar essen, aber die Idee geht davon nicht verloren. (Das war dann übrigens die nächste Schlagzeile.)

Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Werk einer Künstlerin – deren Namen ich leider vergessen habe – welches ich vor zwei Jahren bei einer Ausstellung in Frankfurt gesehen habe. Dabei handelt es sich um einen kleinen roten Punkt – wie die roten Punkte, welche in Galerien verkaufte Gemälde markieren. Hierbei wurden ebenso nur die Idee und Anweisung zur Ausführung verkauft. Der rote Punkt ist nicht einfach nur an die Wand geklebt, sondern ein kleines Loch in der Wand, welches mit einem ganz bestimmten Rot-Ton ausgefüllt wurde. Weitere Bedingung war, dass das Werk nie alleine ausgestellt werden darf, sondern immer neben einem anderen Kunstwerk „hängen“ muss. Wie ein Parasit.

Es ist also nichts neues eine Idee zu einem Kunstwerk zu verkaufen, da manchmal auch gar nicht anders möglich wäre. Auch die Idee Alltagsobjekte zum Kunstwerk zu erheben ist alles andere als neu und innovativ. Schon Marcel Duchamp nahm im Jahr 1917 ein gewöhnliches Urinal signierte es mit dem Synonym „R. Mutt“ und reichte es bei der großen Schau der „Society of Independent Artists“ ein. Dort wurde es jedoch nicht ausgestellt.

Vielleicht war die Kunstwelt auch einfach noch nicht gelangweilt genug? Wenn man so darüber nachdenkt ist die „Duc-tape-Banane“ wahrscheinlich wirklich „das beste“ Kunstwerk auf der Art Basel Miami. Nicht wegen besonderer Fähigkeiten oder Virtuosität des Künstlers, sondern wegen der gewaltigen Aufmerksamkeit die das Werk generiert hat. Wer bis vor kurzem (so wie ich) noch nie den Namen Maurizio Cattelan gehört hat, kennt ihn spätestens ab jetzt. In einer Welt in der Kunst im Überfluss produziert wird, in der eine Kunstmesse die andere jagt, ist das wahrscheinlich die einzige Möglichkeit für Künstler noch irgendwie herausstechen zu können. Aber da fragt man sich doch wie es weitergehen mag? Was kommt als nächstes? Geht es überhaupt noch absurder? Wir dürfen gespannt sein.

EDIT: Ich glaube wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der es nur noch darum geht, die größtmögliche Aufmerksamkeit zu erhaschen. (Siehe „Wer hat mehr Likes auf Instagram“). Diese Tatsache macht auch vor dem Kunstmarkt nicht halt.