Klaus Mosettig – The David Plates

Die Arbeiten des zeitgenössischen Künstlers Klaus Mosettig, welche derzeit im Kunsthistorischen Museum ausgestellt sind, wirken auf dem ersten Blick sehr unspektakulär. Doch der Schein trügt, denn hinter den 15 großformatigen schwarz-weiß Werken steckt viel mehr als, dass was man zunächst wahrnimmt.  

Was ist überhaupt dargestellt? Ausgangslage waren 15 Röntgenaufnahmen von Caravaggios Gemälde „David mit dem Haupt des Goliaths“ die für eine wissenschaftliche Untersuchung angefertigt wurden.

Michelangelo Merisi, gen. Caravaggio, DAVID MIT DEM HAUPT DES GOLIATH um 1600/01. (c) KHM Wien

Um die Bilder begreifen zu können muss man erst verstehen wie Klaus Mosettig überhaupt arbeitet. Basis für seine Werke ist immer das Licht, beziehungsweise Spuren von Licht, die er mit Hilfe eines Diaprojektors und Bleistiften auf Papier überträgt. Das hier verwendete Röntgen stellt für Mosettig eine Art Sehnsuchtsort da, eine eigene Qualität des Lichts, die er selbst nicht genau verstehen kann aber dennoch große Faszination für ihn ausübt.

Klaus Mosettig

Dass die Wahl auf ein Gemälde Caravaggios als Grundlage für seine Werkserie gefallen ist, hat mehrere Gründe. Einerseits gilt Caravaggio selbst als der Meister des Lichts. Seine stark hell-dunkel kontrastierenden Gemälde wurden im 15 Jahrhundert Vorbild für zahlreiche Künstler in ganz Europa. Es ist hier also der Einsatz von Licht im Gemälde selbst wichtig. Zugleich bietet es als eines der wenigen Werke Caravaggios, welches auf Holz gemalt ist, eine schöne Grundlage für Mosettigs Arbeit. Das Holz ist zum Beispiel mit kleinen Gängen von Holzwürmern durchzogen und fördert so den Detailreichtum. Andererseits verbirgt sich unter dem Gemälde Caravaggios auch das Werk eines weiteren, drittklassigen Künstlers, also kein besonders gutes. Klaus Mosettig sagt dazu „Man hängt sich an einem Namen auf, zeichnet aber gleichzeitig Nebensächliches.“

Die gewählten Ausschnitte wurden durch das Verfahren des Röntgens entschieden, es unterlag also nicht der Entscheidung des Künstlers.

Alle Arbeiten Klaus Mosettigs entstehen durch Bleistiftschraffuren, mit sehr spitzen Bleistiften verschiedener Härtegrade, auf Papier. Als Vorlage verwendet er alles Mögliche, zum Bespiel Zeichnungen seiner Tochter, Werke anderer Künstler, den Staub aus seinem Diaprojektor, letztlich sogar Kuhscheiße. Es ist also nicht das Abgebildete wichtig, sondern die Technik und der Prozess selbst. („Die Werke machen sich durch die Schraffur selbst.“) Jedes Motiv wird gleichbehandelt, sie sind also gleichwertig. Es sind freie Arbeiten die sich durch das „Tun“ definieren und möglichst wenig Inhalte vermitteln sollen.

Klaus Mosettig lehnt sich mit seinen Zeichnungen auch an der Konzeptkunst an. Es geht ihm darum immer wieder das Gleiche zu tun und dabei möglichst frei von Inspiration zu bleiben, beziehungsweise möglichst uninspiriert von anderen zu bleiben. Ganz vermeiden lässt sich dies dennoch nicht immer, denn Ideen für neue Werkserien entstehen oft während der Arbeit.

Ich persönlich finde die Arbeiten äußerst spannend, zumal ich mir nicht vorstellen kann täglich 12 Stunden an einem Bild zu zeichnen. Klaus Mosettig empfindet es jedoch als beruhigend. Tritt man nahe an die Zeichnungen heran so sieht man jeden einzelnen Bleistiftstrich und erkennt, dass es sich nicht einfach nur um einen Druck oder eine Fotokopie handelt. Insgesamt benötigte er 15 Monate für den ganzen Werkzyklus.

Wer sich also die Ausstellung „Caravaggio und Bernini“ im KHM ansieht, der sollte auch einen Abstecher in den Bassano-Saal machen! Zusehen bis 19. Jänner.
Hier der Link zur Ausstellung.

Klaus Mosettig – The David Plates