Loreen Fritsch | „Laute Zeichnungen“ – Kunst aus der Schreibmaschine

Heute möchte ich euch eine Künstlerin vorstellen, deren Arbeiten mich von Anfang an begeistert haben:

Der Zeichenprozess der jungen Künstlerin Loreen Fritsch ist ein äußerst ungewöhnlicher und auch ein lauter. Denn sie verwendet statt eines Zeichenstiftes eine Schreibmaschine um ihre abstrakten und experimentellen Zeichnungen zu schaffen. In einer Zeit, in welcher der technische Fortschritt immer schneller voranschreitet und Schreibmaschinen schon längst ein Relikt vergangener Zeiten sind haucht sie ihnen ein neues Leben ein und schafft so einzigartige Werke.

Seit 2014 nutzt sie die beiden Schreibmaschinen „Adler Junior 2“ und „Triumph“ für ihre Arbeiten. Ursprünglich noch figurativ wurden die Zeichnungen im Laufe der Zeit abstrakter, sie zeichnen sich entweder durch klare Formen aus, die einem bestimmten Muster folgen oder sie entstehen nach dem Zufallsprinzip. So schafft sie zum Beispiel fiktive Marslandschaften, eine Wüstenlandschaft im Nebel, in der jedoch keine Unordnung herrscht, sondern in der jedes einzelne Sandkorn streng sortiert ist und seinen eigenen Platz hat.

Marsporträts (c) Loreen Fritsch

In anderen Arbeiten überlappen und schichten sich die einzelnen Zeichen übereinander, bis aus dem wilden Chaos eine organische Form entsteht.

Organisches V | Organisches II (c) Loreen Fritsch

Loreen Fritsch bezeichnet die Schreibmaschine als ein „wahres“ Medium, denn alles was eingetippt wird, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. (Auf wienerisch würde man sagen „Wos liegt, des pickt“.) Fehler sind daher ein Teil der Arbeiten, sie sind aber keinesfalls unerwünscht denn sie fordern heraus und regen das künstlerische Denken an.

Dabei nutzt sie die Schreibmaschine aber nicht nur in ihrer ursprünglich gedachten Form (ein eingelegtes Blatt, welches betippt wird), sondern zerlegt sie auch in ihre einzelnen Komponenten. Sie entfernt die Farbbänder aus der Schreibmaschine und trägt die Farbe wie mit einem Stempel auf das Blatt auf. Dadurch entstehen malerisch anmutende Grafiken und sie befreit die Schreibmaschine aus ihren angedachten technischen Zwecken und materiellen Zwängen. – Wie „Flügelschläge“ der Freiheit auf Papier.

Flügelschlag VIII | Flügelschlag II (c) Loreen Fritsch

Die aktuellsten „Zeichnungen“ kommen wieder ganz ohne Farbe aus, denn hier wurde die Maschine wie eine Stanze benutzt und das Papier durchgestochen und gelöchert. Es handelt sich dabei also um keine Zeichnung im eigentlichen Sinne. Es ist viel mehr das nicht vorhanden sein von Farbe, das hier ausschlaggebend ist. Es geht um Minimalismus und um Möglichkeiten auszuloten wie man mit besonders wenig, besonders viel darstellen kann.

Quadrat im Quadrat im Quadrat… | Mikrokosmos (c) Loreen Fritsch

Loreen Fritschs Ziel ist es die Schreibmaschine so lange zu benutzen, bis sie diese vollkommen verstanden hat.

Ich empfinde es als äußerst bemerkenswert welch Eleganz, Feinheit und Leichtigkeit diese Arbeiten auszeichnet und dass obwohl sie doch mit einem so schweren und lauten Gerät entstanden sind. Bei Bleistiftzeichnungen würde man dies besser nachvollziehen können, aber ich finde gerade dieser Umstand macht diese Grafiken zu etwas ganz Besonderem und ich bin froh eines ihrer Werke mein Eigen nennen zu dürfen.

In meiner Sammlung
Von links nach rechts: Loreen Fritsch, Olga Georgieva, Rob McDonald

>> Loreen Fritsch Webseite <<

Ein Gedanke zu „Loreen Fritsch | „Laute Zeichnungen“ – Kunst aus der Schreibmaschine

  1. sabine bock sagt:

    Ich finde Deine Arbeiten ganz toll!
    Das ist wahre Schriftgrafik!
    Unfassbar!

    Ich hab als Kind immer mit der Schreibmaschine gespielt und kann mir überhaupt nicht vorstellen,
    wie man da hinkriegt.
    Da gehört schon sehr viel Phantasie und Vorstellungsvermögen dazu!

    Glückwunsch!
    Die Frau Bock

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