Zu Besuch im Atelier von Hermann Kremsmayer

Hermann Kremsmayer hat sein Atelier in der BROTFABRIK Wien. Durch meine Führungen während der GalleryWalks haben wir uns kennen gelernt und sind mittlerweile gut befreundet. Hätte ich das nötige Kleingeld würde ich bei seinen Bildern sofort „zuschlagen“, natürlich nicht wortwörtlich, wäre ja schade um die Bilder. 😉

Hermann Kremsmayer wurde 1954 in Salzburg geboren. Er besuchte die Akademie der bildenden Künste in Wien und ging dann eine Zeit lang nach Barcelona. Er erklärte mir, er hat sich damals gedacht: „Na wenn ich schon arm bin, dann bin ich lieber wo arm wo’s schön und warm ist.“ Macht Sinn. Er hat sich dort unter anderem von dem spanischen Maler und Bildhauer Antoni Tàpies inspirieren lassen.  Danach ging er zurück nach Wien um sein Studium zu beenden. Seit 2012 arbeitet er in seinem Atelier in der BROTFABRIK Wien. (Mit einem tollen Ausblick!)

 

In seinen Arbeiten finden wir das, was Malevic einst als den „neuen Realismus“ in der Malerei betitelte, welcher im Impressionismus seinen Anfang fand und in der ikonenhaften zur Schaustellung des schwarzen Quadrats gipfelte.

Kasimir Malewitsch, schwarzes Quadrat, 1915

Der neue Realismus bezieht sich nicht mehr auf die reale, naturgetreue oder historische Darstellung, sondern spricht uns auf der Ebene der Wahrnehmung und der Materialität des Bildes an. Farbe, Faktur (der Farbauftrag) und Form rücken in den Vordergrund. Genau das zeigen uns die wilden, pastösen und oft auch bunten Farbflächen in Hermann Kremsmayers Bildern. Während Malevic jedoch in seiner suprematistischen Phase für die „Auflösung des Horizonts“ eintrat, also ein rein flächiges Bild, auf der kein Vorder- oder Hintergrund geschweige denn eine Bildtiefe mehr sichtbar ist, finden wir in Kremsmayers Bildern sehr wohl so etwas wie Tiefe oder Räumlichkeit. Bunte „Farbwolken“ schweben auf einem ebenmäßig bemalten Leinwandgrund, wodurch automatische so etwas wie Hintergrund und Vordergrund entsteht. Trotzdem handelt es sich dennoch um ein meist, rein abstraktes Werk. Warum „Meist rein abstrakt?“. Nun weil wir bei genauerer Betrachtung dennoch ein paar figürliche Anklänge erkennen können. Zum Beispiel einen Fuß oder eine Hand. Hermann Kremsmayer hat sich die Entwicklung der modernen Kunstgeschichte (vom Impressionismus bis zum Suprematismus und darüber hinaus) zu eigen gemacht und sich das für ihn Beste davon herausgepickt. 🙂

Wer jetzt Lust bekommen hat, auch einmal einen Blick in sein Atelier zu werfen, der hat bei einem der nächsten GalleryWalks in der BROTFABRIK Wien die Möglichkeit dazu. Folgt BROTFABRIK Wien auf Facebook um keinen Walk zu verpassen! In der Veranstaltungsbeschreibung seht ihr dann ob Hermann Kremsmayer beim nächsten Mal wieder dabei ist. 😊

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