Mein Dokumenta14-Fazit: Der WOW-Effekt fehlt.

Die Dokumenta ist eine der weltweit bedeutendsten Kunstausstellung und findet alle 5 Jahre in Kassel statt. Vater der Dokumenta, die erstmals 1955 stattfand  ist der deutsche Künstler, Kunstpädagoge und Kurator Arnold Bode.

Dieses Jahr gibt es bereits die 14. Ausgabe und zum ersten Mal auch mit Beteiligung der Partnerstadt Athen. Die Dokumenta läuft daher auch unter dem Titel „Von Athen lernen“. Schon ein bisschen seltsam, was soll die alteingesessene Dokumenta-Stadt (Das steht hier übrigens auf fast jedem öffentlichen  Gebäude) schon von den „Neuen“ lernen?

Für eine Kunstgeschichte-Studentin wie mich ist sie so etwas wie eine „sagenumwobene“ Ausstellung, klar hat man da eine gewisse Erwartungshaltung. Ich war jedenfalls mega aufgeregt als ich beschlossen habe „So. Ich fahr‘ im Sommer nach Kassel und schau mir das Spektakel an“. Von den negativen Kritiken hab ich da noch nichts gehört. UND ja! Die negativen Kritiken gibt es und sie sind berechtigt.  Cornelius Tittel von Welt.de  rät z.B. nach Kassel zu fahren wenn man sich in eine tiefe Depression stürzen möchte. Und so unrecht hat er gar nicht…

„Wenn Ihre Sommerplanung noch nicht abgeschlossen ist, und Sie sich fragen, wie Sie sich am effizientesten in eine tiefe Depression stürzen können, machen Sie es wie ich. Fahren Sie nach Kassel.“ – Cornelius Tittel

Es ist als würde eine dunkle Wolke, voll gepackt mit der Flüchtlingsthematik, Krieg, Politik und Ausbeutung über einem schweben. Als würde ihnen nichts anderes mehr einfallen. In jedem Fall wird das Thema irgendwann langweilig, man nimmt es einfach zur Kenntnis. So auch die Meinung einer netten Damen (ich glaube eine Professorin) die ich auf meinem Irrweg durch die Dokumenta ein paar mal getroffen habe und die ich heute Morgen zu ihrer Meinung befragt habe. Sie meinte (paraphrasiert): „Man ist ja schnell durch hier. Normalerweise verschaffe ich mir immer erst einen Überblick und gehe dann dort hin zurück wo es mir am Besten gefallen hat. Aber das ist in diesem Fall nicht möglich. Ich habe zwar die negativen Kritiken gelesen aber ich wollte mir selbst ein Bild machen. Es wir einzig und alleine das Gutmenschentum dargestellt…“ Wir waren jedenfalls der gleichen Meinung es ist fast absolut nichts dabei wo man sagt „Wow, das ist toll, das gefällt mir“.

Der Chefkurator Adam Szymczyk hat in jedem Fall versagt. Da helfen die zweitklassigen, aus der Athener Kunstsammlung eingeflogenen, Kunstwerke auch nicht mehr.

Aber den ein oder anderen Lichtblick gab es für mich dann doch. Auch wenn sie sich wirklich an einer Hand abzählen lassen:

1.Der Parthenon der Bücher der argentinischen Künstlerin Marta Minuj

Eine beeindruckende 1:1 Nachbildung des Parthenons in Athen aus Metall und Büchern. Bücher die irgendwo auf der Welt einmal verboten waren, darunter auch eine Containerladung Twilight-Bücher. Ich frage mich wer die wohl vorbei gebracht hat.

Der Parthenon der Bücher von Innen

Parthenon der Bücher

2. Die Licht-Projektion von Nikos Alexiou

Dabei lässt er Kaleidoskop-artig Muster und Mandalas über den Boden flimmern. Wenn man sich  in den Lichtstrahl hineinstellt wird man selbst Teil des Kunstwerks.  Die Leute hatten dabei sichtlich Spaß.

Nikos Alexiou

Nikos Alexiou

3. Eine Installation von Stephen Antonakos

Eine nicht-deprimierende Licht Installation in einem kleinen Raum. Hinter rechteckigen Formen leuchten gelbe, rote, blaue, grüne, und violette Lampen. Ein „Lichtblick“ auf der gesamten Dokumenta.

Stephen Antonakos

4. Der ehemalige, unterirdische Bahnhof

Nicht unbedingt wegen der Kunst aber die Location ist toll. Ein schöner Off-Space den man nie und nimmer mit einem „White Cube“ in Verbindung bringen würde. Man schreitet die Treppen von oben hinunter und geht dann den Gleisen entlang hinten aus dem Tunnel wieder hinaus. Dort wo man normalerweise nicht hin darf.

Ehemaliger unterirdischer Bahnhof

… ja das wars eigentlich auch schon. Auch nicht schlecht sind die zu „Flüchtlingsunterkünften“ umgebauten Röhren des Künstlers Hiwa K. und die verhüllte Torwache des Künstlers Ibrahim Mahama.

Hiwa K.

Verhüllte Torwache von Ibrahim Mahama

Die nette Dame und ich wir freuen uns jetzt jedenfalls schon auf die Biennale in Venedig. Frei nach dem Motto „Es kann nur besser werden“.  Schließlich stellt Erwin Wurm im Österreich Pavillon aus!

Ein kleine witzige Anekdote gibt es aber dennoch. (Auch wenn die den Verantwortlichen der Dokumenta überhaupt nicht schmeckt): Der österreichische Künstler Manfred Kielnhofer verteilt nämlich in der ganzen Stadt ohne Erlaubnis seine „Wächter der Zeit“-Skulpturen. (Wer schon mal auf der Wikam oder Art Austria oder Art Antique war hat sie sicher schon mal gesehen, die gibt’s in allen Größen) Diese Skulpturen werden von der Stadt immer wieder weggeräumt und er stellt sie auf’s Neue immer wieder auf.  Wie ich finde ein gelungener Protest gegen das „Establishment“.

Einen Link mit Bild findet ihr HIER.

 

PS: Ich geh jetzt ins Kino und schau mir „Planet der Affen“ an.

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